explore dance #1 – das Festival

Vom 30. April bis zum  04. Mai 2019 findet auf K3 – Choreographisches Zentrum | Tanzplan Hamburg das erste Festival von explore dance – Tanz für Junges Publikum statt. Eine Woche lang werden in den ehemaligen Fabrikhallen auf Kampnagel und in diversen Schulen der Stadt Tanzstücke für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene gezeigt. Acht Stücke sind beim Festival zu sehen.

Sechs davon wurden von den Partnern Fabrik moves Potsdam, Fokus Tanz München und K3 in Auftrag gegeben. Dazu gehören die Bühnenstücke Eine Geschichte der Welt von Lea Martini und Dennis Deter, Für mich von Antje Pfundtner und Shifting Perspective von Diego Tortelli sowie die mobilen Pop Up Performances Die Choreographie der Dinge und Geräusche von Lucia Glass, MOVE MORE MORPH IT! von Anna Konjetzky und ONONON von Clément Layes. Pop Up ist ein neues Performance-Format, das in Schulen oder im öffentlichen Raum aufgeführt werden kann.

Teresa Hoffmanns Bühnenproduktion Analogastronauten ergänzt das Festivalprogramm auf K3. Lusco Fusco von Regina Rossi kann aus Krankheitsgründen nicht gezeigt werden.

explore dance organisiert darüber hinaus eine Konferenz, das EDN-Atelier Dance pieces for young audience, mit internationalen Expert*innen und Tanzschaffenden. Dort werden parallel zu den Präsentationen der Bühnen- und Pop Up Stücke wichtige Fragen gestellt, Konzepte und Arbeitsansätze geteilt und verglichen, Probleme aufgezeigt, Workshops angeboten und bei Abendbrot und Wein rege diskutiert. Die Dokumentation zum EDN-Atelier gibt es hier.

 

Wir sind eingeladen, das Festival zu begleiten und bringen als Akteur*innen der Freien Szene Hamburgs unsere eigenen Fragen mit. Dabei setzen wir zwei Schwerpunkte:

 

Zeitgenössischer Tanz hat den Ruf schwer zugänglich zu sein, weil er selten durch eine klare Narration strukturiert ist. Aber brauchen Kinder und Jugendliche tatsächlich eine Geschichte? Auf welche Art und Weise kommunizieren die Tanzstücke mit dem Publikum?

Den zweiten Fokus legen wir auf die Frage: Was ist anders, wenn man ein Stück für junges Publikum entwickelt? Und was bewegt die Institutionen, was interessiert die Künstler*innen daran, Tanz für junges Publikum zu machen?

Zusätzlich zu diesen Themen geben uns die Institutionen Einblicke in den kulturpolitischen Hintergrund von explore dance und Tanz für junges Publikum.

Wir nutzen Interviews als Strategie, um mit den Künstler*innen und Produktionshäusern ins Gespräch zu kommen, diskursiv ins Festival zu intervenieren und Antworten auf unsere Fragen zu finden.

(*Unsere Interviewpartner*innen wurden eingeladen auch in Bewegung zu antworten: Könnt ihr uns eine Bewegung aus dem Stück zeigen? Welche Form eine bewegte Rezeption hervorbringen kann, seht ihr im Video oben.)

 

Auf welche Art und Weise kommunizieren die Tanzstücke mit dem Publikum? Braucht es Narration?

 

Kids don’t want to watch, they want to do things.

(Clément Layes)

#das Abstrakte #visuelle Reise, cinematographisch #Widmung #Provokation #Lesarten überschreiben #Verantwortung abgeben #unbestimmte Objekte, Materialien und Kostüm #keine Narration #Berührung #Scores #Partizipation #Körper-sprache, -ausdruck #Bewegung #Blicke #instagram #inspired by… #Perspektivwechsel #Multiple Choice 

 

Mit den Pobacken Klatschen, Rülpsen, minutenlanges Headbanging, den Zuschauer*innen die Schuhe klauen. Für mich arbeitet nicht nur mit direkten Fragen an das Publikum (die dann durch Gesten beantwortet werden sollen), sondern auch mit körperlicher Provokation. Verwirrt es die Jugendlichen, vulgäre Verhaltensweisen von Erwachsenen auf der Bühne zu sehen? Fühlen sie sich gespiegelt? Herausgefordert?

 

Everybody is invited to be really close to each other.

(Über Pelle von Alfredo Zinola)

 

Ganz anders die Strategien im Stück Pelle, das über das EDN Atelier in die Diskussion eingebraucht wird und unser Interesse weckt. Berührung ist dort das grundlegende Kommunikationsprinzip. Dieses Stück, das wir nicht gesehen haben, nicht wirklich jedenfalls und wenn dann nur als Post-Dance nach den Beschreibungen von Mijke Harmsen, Micaela Kühn und Alfredo Zinola. Kinder und Erwachsene, die sich berühren… dieser Ansatz hat durchaus schwierige Konnotationen. Pelle bearbeitet die Spezifizität der Erwachsene/r-Kind Beziehung und dreht das bekannte Machtverhältnis um: Was passiert, wenn die Verantwortung den Kindern übergeben wird, wenn Erwachsene von Kindern geführt werden? Vielleicht geht es also weniger darum, ein Stück zu machen, das Kindern gefallen könnte, als sich gemeinsam auf etwas Unbekanntes einzulassen. Was heißt das? Ihnen nichts beibringen zu wollen. Geht das?

Und braucht es Tanz, der spezifisch für junges Publikum gemacht ist? Braucht es das Label und eine Altersempfehlung um Zuschauer*innen zu erreichen? Tanz und Performance kommunizieren – jedenfalls so sind sich auch die Vertreter*innen der Produktionshäuser K3 und Fabrik Potsdam sicher – auf vielen Ebenen, die junge Menschen ansprechen: Atmosphären, Licht, Bilder, Bewegung. Der Umgang mit dem Abstrakten würde ihnen eigentlich auch leichter fallen, als so manchen Erwachsenen. Nur würde ihnen das dann zu schnell abtrainiert. Oder ist das doch nur wieder unser idealisiertes Bild vom unbefangenen, fantasievollen Kind, das noch träumen kann? (Und wir nicht?) Machen wir nicht vielleicht Tanz für Kinder, weil wir selbst gern diese Arbeiten sehen möchten? Es fühlt sich anders an, schon morgens um 11 Uhr eine Performance zu sehen, man ist möglicherweise noch frischer als nach einem langen Arbeitstag, das lebhafte Zuschauen der Kinder kann mehr Spaß machen als das zurückhaltende, ernste Erwachsenenpublikum, und ihre Fragen aus den Publikumsgesprächen können herausfordernd sein:

 

Warum hängt da ein Fellschwein oben? Wart ihr ganz am Anfang schon auf der Bühne? Wie könnt ihr durch diese Ganzkörperanzügen sehen? Kannst du überhaupt davon leben? Bekommst du Geld dafür? Ist das wirklich ein Job? Wie lange machst Du das schon? Schon länger als ein Monat? Wie bist du dazu gekommen, im Theater zu arbeiten? Wo kommst Du her? – „und bei dieser Frage“, so Lea Martini, „musste ich über unsere Position nachdenken, darüber dass es eine Rolle spielt, welche Leute im Theater produzieren, und dass deren soziale Hintergründe nicht so divers sind wie die der Kinder.“ (Fragen aus Publikumsgesprächen zu Eine Geschichte der Welt)

  

Ob in kleinen Gruppen wie nach Eine Geschichte der Welt oder in großer Runde wie bei Für mich, der direkte Austausch ist ein wichtiges Vermittlungselement bei explore dance. Es geht schließlich auch darum, ein Publikum für die Zukunft auszubilden, junge Menschen mit der Kunstform in Kontakt zu bringen und Zugänge zu schaffen. Die persönliche Begegnung mit den Choreograph*innen ist dafür ein nützlicher Kniff. Aber auch für die Kunstschaffenden können die Fragen und Gedanken bereichernd sein und ein Gefühl dafür vermitteln, wie die Arbeit auf- und angenommen wird, was sie selbst nicht gesehen haben, nicht bedacht, was verständlich ist und was wie auf welche Altersgruppe wirkt.

 

Unsere Gedanken sind gar nicht so interessant wie die Gedanken, die ihr habt.

(Norbert Pape, Performer Für mich)

 

Was sollte das Tanzen unterstreichen? Warum habt ihr getanzt? Hat das Stück eine Handlung? Was hat euch zum Tanzen inspiriert? Wie lang habt ihr geprobt? Wieso gibt es einen Buzzer im Stück? Habt ihr auch im Ausland gespielt? Welche Sprachen sprecht ihr? Kannst du etwas auf Portugiesisch übersetzen? Was sollte die Nebelmaschine machen? Und der Vorhang – was sollte das bedeuten? Wie bist du drauf gekommen, lange Haare zu haben? Beherrscht du Hip Hop? (Fragen aus dem Publikumsgespräch zu Für mich)

 

Maybe they are in a different world and sometimes they don’t want us to enter.

(ein EDN-Atelier Teilnehmer)

  

Die Kinder suchen nach einer Geschichte oder stellen Verständnisfragen. Sie versuchen an das anzuknüpfen, was sie als Tanz kennen: Sei es Hip Hop oder Let’s dance. (So wie wir auch!) Aber während sie das Stück sehen, haben sie eine stark körperliche Rezeption davon. Sie sitzen nicht still, wenn sie die Möglichkeit haben, sie sprechen miteinander, wenn niemand hinter ihnen den Zeigefinger an die Lippen legt.

Publikumsgespräche, Rezeption und Evaluation sind auch Themen der letzten Zusammenkunft von EDN Atelierteilnehmer*innen und Künstler*innen moderiert von Amelie Mallmann: „In meiner eigenen Arbeit, interessiert mich, was passiert, wenn man die Zuschauer*innen nach der Performance erst einmal bittet: schließt mal eure Augen, lasst es ankommen, sinken, was ihr gerade gesehen habt…“ Dabei sucht sie nach Formaten, die für altersgemischtes Publikum anregend sind.

Dennoch bleibt die Frage, ob es sinnvoll ist, die Reaktionen der Kinder direkt nach dem Stück einzufangen. Brauchen nicht auch Erwachsene Zeit, ein theatrales Erlebnis zu verarbeiten?

Einer der Ansätze ist hier, Lehrer*innen stärker einzubeziehen und ihnen in Workshops Zugänge zu Methoden oder Arbeitsweisen des zeitgenössischen Tanzes zu vermitteln. So könnten Tanzstücke nachträglich in der Schule besprochen oder körperlich nachvollzogen werden. Auch der Perspektivwechsel von „Was hast du verstanden?“ hin zu „Was hast Du gesehen?“ ist ein roter Faden in der Vermittlungsarbeit. Bleibt die Frage, ob und wie sich überhaupt messen lässt, wie es den Kindern gefallen hat.

 

Obwohl Kinder lauter sind, heißt das nicht, dass sie weniger da sind.

(Juliana Oliveira)

 

Was ist anders, wenn man ein Stück für junges Publikum entwickelt? Was bewegt die Institutionen, was interessiert die Künstler*innen daran, Tanz für junges Publikum zu machen?

#keine andere Arbeitsweise #direkte Publikumsreaktion #Rezeption in Bewegung #anderer Humor #spielerische Haltung, andere Energie #Overacting #was man sich sonst nicht traut #keine Disziplinierung #Freiheit #Verspieltheit #spezielle Bedürfnisse je nach Altersgruppe #Auftragsarbeit als Chance #neue Arbeitsweise ausprobieren #innerer Prozess als Performer*in #hineinfühlen in eigene Kindheit/Jugend #Vermittlung #Einsteigen, Aussteigen #anderes Zeitempfinden #andere Bewertungskriterien #für alle #besser ohne Korrektiv #Reaktionen als Teil des Stücks, Raum für Austausch unter den Kindern #Spezifizität Erwachsene*r-Kind-Beziehung 

 

Die Bandbreite von Antworten lässt darauf schließen, dass es keine Anleitung und keine festen Regeln gibt, und dass vielleicht auch niemand so genau weiß, wie und ob Tanz für junges Publikum anders aussehen sollte. Der Genauigkeit halber lässt sich unterscheiden zwischen der Frage, ob das Produkt auf der Bühne ästhetisch anders ist, die Erfahrung für die Performer*innen während der Show, oder der Produktionsprozess.

 

Produzieren Themen, für die ich brenne, andere Arbeitsweisen als Auftragsarbeiten? Kann ich mich innerhalb dieser Auftragsarbeit „entflammen“? Diese Diskussionen werden besonders relevant in Bezug auf das Pop Up Format für Klassenzimmer, Aula, Mensa, Turnhalle und andere Orte in der Schule und im öffentlichen Raum. „Die Idee dahinter ist in einem kleinen Team mit bis zu drei Beteiligten und minimalem technischen Aufwand ein reisefähiges Stück zu produzieren“, so Kerstin Evert, Leiterin von K3. „Residenzen in der Schule“ mag für manch eine Choreograph*in nach ungewöhnlichen Arbeitsbedingungen klingen. Diese Strategie hat allerdings eine Reihe von Vorteilen wie etwa Vermittlungsarbeit und den künstlerischen Prozess miteinander zu verquicken, mögliche Spielorte zu sichern; es ermöglicht den Künstler*innen ein Testpublikum und lädt ein, out of the (Black-)Box zu denken.

 

Im Rahmen des Festivals war es uns kaum möglich, die Pop Up Vorstellungen zu sehen, lediglich die Anreise zu ONONON von Clément Layes nach Bad Oldesloe haben wir geschafft. Der letzte Ateliertag bringt allerdings einige Künstler*innen zusammen, die sich über ihre Erfahrungen damit austauschen.

 

Pop Up means to me – I can do what I want and pop it up.

(Anna Konjetzky)

 

Für Anna Konjetzky, der Choreograph*in von MOVE MORE MORPHE IT!, macht es keinen Unterschied, ob das Publikum zu ihr, oder sie zum Publikum kommt: „Selbst wenn es sich um eine Auftragsarbeit handelt, setze ich bei meinen eigenen Interessen an. Wir teilen doch dieselbe Welt und oft fühle ich mich den Jugendlichen viel näher als vielen Erwachsenen. Meine Energie ist ihrer viel ähnlicher.“

 

Pop Up means: We don’t need a lot of technique. – No, we can come with a lot of technique.

(Regina Rossi und Anna Konjetzky)

 

Es entbrennt kurz ein Streit über das Potential für andere Orte zu produzieren als für das Theater, da dieses ja voll von Konventionen sei. Schulen seien genauso wenig frei von Konventionen, selbst wenn sich diese vom Theater unterscheiden. Das Spannende sei doch mit anderen Codes als neuer Reibungsfläche zu arbeiten: Wäre das anarchische Finale von ONONON, in dem jede Menge Objekte durch die Luft fliegen und wild zwischen den kreischenden Kindern und Peformer*innen hin- und herwechseln, ähnlich stark, wenn es im Theater stattfinden würde?

 

The idea of Pop Up is: you can play anywhere, outside, in the school…

(eine EDN-Teilnehmer*in)

 

Lea Martini dazu: „In der Schule wird man diszipliniert … das Theater ist noch ein Ort, der wirklich anders funktioniert, und es ist nicht selbstverständlich, dass es solche Orte gibt.“

Und das Theater ist auch ein Ort, in den man andere Orte importieren kann. Das Weltall zum Beispiel. So reflektiert auch Dennis Deter über sein erstes Bühnenstück für Kinder: „Ich erlaube mir mehr, wie etwa im Stück selbst, anders visuell zu arbeiten, anders über Kostüm nachzudenken, und nicht, weil ich denke, das gefällt den Kindern, sondern weil ich das eigentlich selbst toll finde.“ Die Kostüme werden schriller, die Objekte verspielter. Der Bühnenraum fantasievoller gestaltet. Diego Tortelli erlebt seine eigene Herangehensweise ebenfalls als spielerischer und freier.

 

Die Performer*innen der Analogastronauten bemerken, dass die direkten und engagierten Reaktionen der Kinder, die Gefahr des „Overacting“ birgt:

 

„Ich führe einen inneren Kampf, wenn ich merke, ah ich lächle, weil dort die Kinder sind, – dann versuche ich die Freude in der Bewegung zu finden und dadurch zu lachen“

(Teresa Hoffmann)

 

Ansonsten hat Teresa Hoffmann nicht das Gefühl, anders zu arbeiten als für Erwachsene. Andere Künstler*innen sind hingegen in der Probenphase schon im intensiven Austausch mit Kindern. Sie gehen in Schulen, beteiligen sie an ihrer Recherche, versuchen herauszufinden, was sie beschäftigt, oder was sie zu wenig gefragt werden. Die Schüler*innen sind Testpublikum, das Feedback gibt, sie können über Instagram die Produktion mitgestalten oder stehen sogar mit professionellen Performer*innen auf der Bühne wie bei dem Pop Up Stück von Lucia Glass.

 

Aber (warum) ist es notwendig, die jungen Menschen zu involvieren? Geht es darum, die Arbeit auf die Zielgruppe zuzuschneiden? Und geht dann nicht die Dringlichkeit verloren, die vorhanden ist, wenn Künstler*innen ihre „eigenen Themen“ bearbeiten? Das erinnert an unser Gespräch mit Anne Kersting, der Dramaturgin von Für Mich (Antje Pfundtner in Gesellschaft), die in Frage stellt, ob wir überhaupt antizipieren können, was jungen Menschen gefällt: „Es wäre übergriffig meinerseits, zu sagen… ich könnte mich in einen Jugendlichen hineinversetzen.“

 

„Was uns dringlich ist, wird schon zu ihnen durchdringen.“

(Anne Kersting, Dramaturgin Für Mich)

 

Antje Pfundtner in Gesellschaft hat bereits ein Stück für Kinder (+Erwachsene) produziert. Für viele andere Künstler*innen ist es das erste Mal. Warum vergeben die Partnerinstitutionen diesen Auftrag an Choreograph*innen, die bisher weniger Erfahrung mit diesen speziellen Altersgruppen haben? Welche Chancen bietet Kultur als Auftrag? Könnte diese Herangehensweise nicht auf eine provokante, aber fruchtbare Art bestimmte Tendenzen des Kunstmarktes oder Erwartungen an künstlerische Arbeit in Frage stellen, wie etwa Kunst als Selbstverwirklichung, die Handschrift der Solokünstler*in oder individuelles Interesse als Motivation, Kunst zu machen. Zeit für eine letzte Runde zu kulturpolitischen Ambitionen von explore dance und Tanz für junges Publikum.

#überregional #wir machen es selbst #Netzwerk, Kooperation #Sichtbarkeit #Zugänge schaffen #zeitgenössischer Tanz ≠ Let’s dance #informieren #es gibt Tanz als Bühnenkunst #ökonomische Vorteile #Kinder einfach mitnehmen #Bildungstopf und Kulturtopf #sozialer Background #Schulvorstellungen sind planbar #andere Konventionen #relevante Fragen stellen #das Publikum von morgen

 

 

explore dance – ein Netzwerk

Wenn wir das Festival als offenes Feld verstehen, in dem Ideen präsentiert, ausprobiert und ausgetauscht werden, das im Kleinen tête-à-tête Diskussionen hervorbringt und im Großen jede Menge Menschen, die zusammenkommen und sich Gedanken über das Erleben von Kindern machen. Die versuchen, Kinder mehr als Teil der Gesellschaft zu denken und daran arbeiten, ihnen Zugang zu zeitgenössischem Tanz zu ermöglichen — also, das Festival als Netzwerk, das Künstler*innen und Institutionen aus drei Bundesländern, internationale Kulturarbeiter*innen und ein junges Publikum zusammentrommelt, Lehrer*innen und Eltern — dann klingt das dick aufgetragen, muss es aber auch sein. Denn Tanz für junges Publikum braucht eine Lobby, finanzielle und strukturelle Förderung, und strukturell finanzielle Förderung, und insofern ist explore dance als Festival sicher auch ein politischer Auftritt.

 

Aber zu dem, was es zu „explorieren“ gilt in den Theaterräumen, den Turnhallen, auf der Zugfahrt nach Bad Oldesloe, in den Pausen beim Kaffee, in den Publikumsgesprächen und unseren Interviews…  wenn diese Zwischenräume, diese Zweifel, Überzeugungen, Fragen, das Festival wären, dieser diskursive Raum…

 

…vielleicht setzt es sich dann fort. Hier. Und morgen. Dann nehmen die Menschen, die sich eine Woche lang versammelt haben, neue Idee mit in alte Kontexte, Kulturpolitiker*innen erinnern sich an ihre halb-verbindlichen Zusagen, Künstler*innen überdenken die Trennung von Pädagogik und Kunst, didaktisch ist dann kein Schimpfwort mehr, es braucht auch keine Utopien, sondern nur eine gute Mischung aus Träumen und Anpacken, nicht die eine Lösung auf alle Fragen, sondern noch mehr Fragen, noch mehr Strategien, noch mehr Kinder, die die Möglichkeit bekommen, Tanz zu sehen, sich zu langweilen oder dafür zu begeistern. Dann wird performative Kunst Wahlfach an Stadtteilschulen, oder die Klassen machen Projekte und Workshops in Kulturzentren. Sie kommen nicht mehr nur mit darstellendem Spiel in Kontakt, sondern mit zeitgenössischem Tanz, aber auch Medienkunst, Game Design, Buchbinderei, Film und gern auch Postinternet-Art und viel Genre-Mix, und dann wären die Künstler*innen beauftragt, gemeinsam mit den Kindern zu lernen, anstatt ihnen etwas zu vermitteln. In diesen Kulturzentren würde es natürlich auch wieder Konventionen geben, aber andere, vor allem keine Noten, aber das nur so als Vorschlag inspiriert vom Annatalo Arts Centre in Helsinki: http://www.annantalo.fi/en/about. Dafür bräuchte es unter Umständen dann grundlegende politische Umstrukturierungen. Selbst wenn das Vermittlungsangebot im Bereich Tanz deutlich gewachsen ist, heißt es noch lange nicht, dass es schon genug Publikum für den Tanz als Bühnenkunst gibt. explore dance jedenfalls hat gerade erst angefangen.

 

 

We always think of us and them. Don’t we share the same world after all?

(Notiz aus dem EDN Atelier)

 

 

 

Eine Dokumentation von Heike Bröckerhoff und Christine Grosche

 

Heike Bröckerhoff arbeitet als freischaffende Dramaturgin für Choreographie und Performance. Sie schreibt für den Online Blog  plateauhamburg.de und produziert die monatliche Radiosendung  https://soundcloud.com/plateau-hamburg von PLATEAU, der diskursiven Plattform für performative Kunst und Kulturpolitik in Hamburg.

 

Christine Grosche arbeitet derzeit als freischaffende Referentin für Öffentlichkeitsarbeit in Hamburg, Berlin und Essen. Ihr Fokus liegt dabei auf der Übersetzung von interdisziplinärer und performativer Kunst in multimediale und vermittelnde Kommunikationsformen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.