24. September 2026

explore dance – Netzwerk Tanz für junges Publikum startet mit vier neuen mobilen Produktionen in die Spielzeit 2026/27. Zwischen September und Dezember entstehen neue Pop Up-Stücke in Frankfurt am Main, Stralsund, Hamburg und Potsdam, die den zeitgenössischen Tanz direkt zu Kindern und Jugendlichen in Schulen und Kitas bringen. Gleichzeitig steht das bundesweite Netzwerk weiterhin vor einer finanziell unsicheren Zukunft: Die Förderung durch den Bund ist 2026 weggefallen. Derzeit wird die Arbeit von explore dance durch Länder, Kommunen und Stiftungen der sechs Partnerstädte sowie durch zusätzlich eingeworbene, zeitlich befristete Mittel mitgetragen. Eine verlässliche langfristige Finanzierung für die bundesweiten Angebote für Kinder und Jugendliche ist nicht gesichert.

Den Auftakt der neuen Spielzeit macht am 29. September 2026 die Uraufführung von Karkerou der israelischen Choreographin Smadar Goshen in Frankfurt am Main. Das mobile Tanzstück nimmt Kinder ab sechs Jahren mit in ein geheimnisvolles Tier- und Pflanzenuniversum. Gemeinsam mit zwei Tänzer*innen entdecken sie eine Welt aus Bewegung, Klängen und Fantasie. In Stralsund folgt im November Secret Shakes von Ron Estrea Kaslasi für ein junges Publikum ab zehn Jahren. Die israelische Choreographin zeigt in ihrem Pop Up, wie aus geheimen Handzeichen und gemeinsamen Gesten tänzerische Verbindungen entstehen. Ganz ohne Worte erschafft sie eine Sprache der Nähe, die spielerisch neue Wege der Kommunikation und Konfliktlösung ermöglicht. Am 27. November feiert in Hamburg Out of the blue (7+) von Teresa Hoffmann und Venetsiana Kalampaliki Premiere. Das Klassenzimmer wird dabei zum choreographischen Werkzeugkasten: Gewohnte Ordnungen geraten in Bewegung und eröffnen neue Spielräume. Den Abschluss der vier Premieren bildet Sprache des Steins von Michelle Moura am 20. Dezember in der fabrik Potsdam. Die brasilianische Choreographin nimmt die Jüngsten ab 3 Jahren mit auf eine Reise in den Kosmos der Natur. Mit Körper, Stimme und viel Humor verleihen zwei Tänzer*innen Dingen wie Wind und Steinen eine eigene Sprache. Es entsteht ein poetischer Raum, der die Wahrnehmung verschiebt und einlädt, die Welt neu zu hören, zu sehen und zu denken.

Allen vier Produktionen gemeinsam ist die besondere Arbeitsweise von explore dance: Vertreter*innen der Zielgruppe sind bereits als Entscheider*innen in die künstlerische Auswahl der Stücke eingebunden. Die mobilen Pop Ups werden gemeinsam und im Austausch mit Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Vermittlungsformaten entwickelt und direkt an Schulen, Kitas, in Kultur- und Jugendzentren gezeigt. Tanz findet damit nicht nur im Theater statt, sondern erreicht Kinder und Jugendliche in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld.

Acht Jahre Tanz für junges Publikum
Seit der Gründung im Jahr 2018 hat sich explore dance zu einem bundesweiten Produktions- und Touringnetzwerk entwickelt, das Kindern und Jugendlichen nachhaltig Zugang zur Kunstform Tanz eröffnet. 38 Produktionen, mehr als 700 Vorstellungen bundesweit und international, über 500 beteiligte Schulen, mehr als 200 Künstler*innen und über 750 Vermittlungsformate stehen inzwischen für die Arbeit des Netzwerks.
Auch der zurückliegende Festivalsommer hat die Bandbreite der Arbeit eindrucksvoll sichtbar gemacht. Produktionen von explore dance waren unter anderem beim Watch Out! Festival in Dresden, bei der ersten Tanztriennale in Hamburg oder beim THINK BIG! Festival in München zu sehen. Auch international werden Produktionen weiterentwickelt: Das Pop Up Prisma von Rotem Weissmann wurde im Rahmen einer England- und Schottland Tournee (The Playground Tour) in Zusammenarbeit mit The Place, London, vor mehr als 7.000 Zuschauer*innen gezeigt. Move More Morph It! von Anna Konjetzky wird in Zusammenarbeit mit Danshallerne Kopenhagen weiterentwickelt.

Bundesweit etabliert – strukturell unter Druck
Die erfolgreiche Entwicklung wurde seit 2018 durch eine gemeinsame finanzielle Förderung von Bund, Ländern, Kommunen und Stiftungen ermöglicht. Seit 2026 stehen keine Bundesmittel mehr für die länderübergreifende Netzwerk- und Strukturarbeit zur Verfügung. Die lokalen Partner tragen explore dance derzeit weiter, können aber eine fehlende Bundesförderung nicht dauerhaft ersetzen. Denn die Arbeit des Netzwerks geht weit über die Produktion einzelner Stücke hinaus: Es erreicht Kinder und Jugendliche bundesweit in urbanen und ländlichen Räumen mit der physischen Präsenz des tanzenden Körpers, schafft Strukturen für Produktion und Künstler*innen, ermöglicht nachhaltiges Touring im In- und Ausland, Austausch und Kooperation, entwickelt Vermittlungsformate und ermöglicht jungen Menschen unabhängig von ihrem sozialen Hintergrund Zugang zu künstlerischem Erleben.

Vermittlung als Teil künstlerischer Praxis
In der neuen Spielzeit richtet explore dance auch den Blick auf die Frage, wie Vermittlung als integraler Bestandteil künstlerischer Praxis weiterentwickelt werden kann. Eine neue bundesweite Programmreihe verbindet künstlerische Praxis, fachlichen Austausch und Diskurs. Den Auftakt bildet Ende September ein Fachtag der Netzwerkpartner in Potsdam. Vier anschließende digitale Veranstaltungen bringen bundesweite und internationale Gäste zusammen und widmen sich Fragen von Vermittlung, Partizipation, Ästhetik und Zugänglichkeit. Die Reihe wird vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

„explore dance hat in den vergangenen Jahren gezeigt, was eine bundesweite Struktur für Tanz und junges Publikum bewegen kann: Die Nachfrage von Schulen, Kitas und Bildungseinrichtungen und das Interesse an Kooperationen steigt kontinuierlich.
Wenn wir wollen, dass Kinder und Jugendliche unabhängig von ihrem sozialen oder geografischen Hintergrund Zugang zu zeitgenössischer Kunst bekommen, brauchen solche Angebote verlässliche Strukturen. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie explore dance seine Arbeit fortsetzen kann, sondern welchen Stellenwert kulturelle Teilhabe für junges Publikum in unserer Gesellschaft haben soll“, so die Vertreter*innen des Vorstands von explore dance, Dr. Kerstin Evert (K3 | Tanzplan Hamburg), André Schallenberg (HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Dresden), Simone Schulte-Aladağ (Fokus Tanz München) und Sven Till (fabrik Potsdam).

explore dance – Netzwerk Tanz für junges Publikum ist ein Zusammenschluss von fabrik (moves) Potsdam, Fokus Tanz München, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden, K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg, Künstler*innenhaus Mousonturm Frankfurt/Main und Perform[d]ance Stralsund.
Die explore dance-Aktivitäten der Netzwerkpartner*innen werden jeweils lokal finanziert durch die Landeshauptstadt Potsdam, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, das Kulturreferat der Landeshauptstadt München, den Bayerischen Landesverband für zeitgenössischen Tanz aus Mitteln des Bayerischen Staatsministeriums, die Landeshauptstadt Dresden, das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus, die Behörde für Kultur und Medien der Freien und Hansestadt Hamburg, den Kulturfonds Frankfurt RheinMain, die Crespo Foundation, den Fonds des Landes MV für Vorpommern und das östliche Mecklenburg und den Landkreis Vorpommern-Rügen.